Das antike Babylon

Babylon war im Altertum eine der größten Städte der damals bekannten Welt. Es lag am Euphrat, heute ca. 90 km südlich von Bagdad, und wurde bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. gegründet. Hauptstadt eines babylonischen Reiches wechselnder Größe und Geschichte wurde Babylon im 18. Jh. v. Chr. und behielt diese Stellung bis zur Eroberung durch die Perser 539 v. Chr. In den Jahrhunderten danach verlor es an Bedeutung, bis es letztlich wohl im 4. Jh. n. Chr. aufgegeben wurde und verfiel.

Die Ruinen der Stadtanlage aus dem 6. Jh. v. Chr, der letzten Blütezeit Babylons - bis heute in einer Ausdehnung von etwa 1,5, km2 (Gesamtanlage) bzw. 2,7 km2 (Altstadt) erhalten -, beherrschen noch immer das Gelände nahe der irakischen Stadt Hillah.

In Europa durch die biblische Überlieferung berühmt, wurde Babylon früh Ziel von Reisenden und ab Anfang des 19. Jh. auch unter dem Aspekt biblischer Angaben ein Objekt archäologischer Untersuchungen. Erst die zwischen 1899 und 1917 laufenden ersten wissenschaftlichen Ausgrabungen durch deutsche Forscher veränderten nachhaltig das Bild der antiken Metropole und ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung. Sie rückte von Rand antiker literarischer Betrachtung ins Zentrum des realen historischen Geschehens im Altertum über mehr als 2500 Jahre. Die Ausgrabungen, später fortgeführt durch deutsche, italienische und irakische Fachleute, haben erst einen geringen Teil der Ruinen erschlossen.

Das babylonische Reich im 1. Jt. v. Chr.

Der Stadt Babylon und ihrem Umfeld in Mesopotamien verdankt jedoch jetzt schon die Moderne ein reiches Erbe u.a. an baugeschichtlicher, wirtschafts- und rechtshistorischer, literarischer und naturwissenschaftlicher Überlieferung, deren Erforschung bei weitem nicht abgeschlossen ist. Die daneben existierende, durch antike Autoren sowie die drei großen Weltreligionen geförderte sekundäre Kulturtradition gehört jedoch ebenfalls zum reichen Erbe Babylons in der heutigen Welt.

Text von J. Marzahn