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Tidbits: TerraX & Co. zu Babylon

Der Mythos Babylon und die Schriften in der Bibel regten schon immer das Interesse und die Phantasie der Menschen an. 

Immer wieder sind daher die Stadt, ihre Könige, die Erforschung, aber auch die Rezeptionsgeschichte Babylons Gegenstand von populärwissenschaftlichen Dokumentationen.


Terra X: „Babylon Tower - Götterthron am Euphrat“ (1999)


Sphinx: “Mythos Babylon – Nebukadnezar” (2003)


Geo Epoche: „Die Hängenden Gärten von Babylon“ (2013)


Tidbits: Neuere Presseartikel zu Babylon

Prachtvolles Ischtar-Tor. Babylon in Berlin (2016, Spiegel Online)

Da lag es, das uralte Babylon: Ein viele Meter tiefes Labyrinth aus Abertausenden Lehmziegeln, ockerfarben und staubig vom Sand der irakischen Wüste. Dieser Anblick war 1914 der Lohn für 15 Jahre Ausgrabungsarbeit, die der Archäologe Robert Koldewey und sein Assistent Walter Andrae hinter sich hatten.



Babylon - Was 2700 Jahre alte Keilschriften über die Zukunft verraten (2016, Spiegel Online)

Es sei faszinierend, sagt der Geophysiker Duncan Agnew von der University of California in San Diego. "Da haben einige Leute vor 2500 Jahren Zeichen in Ton geritzt, und heute schreiben Kollegen darüber eine Studie zur Rotation der Erde". Die Tontafeln gingen verloren, erst im 19. Jahrhundert haben Archäologen sie im Irak ausgegraben.

Das Babylon-Projekt

Das Babylon-Projekt – mit vollem Namen „Die Babylon-Sammlung des Vorderasiatischen Museums Berlin: Eine wissenschaftssystematische Untersuchung zur sammlungsbezogenen Grundlagenforschung in Museen“(06/2016-04/2020) – ist als Pilotprojekt angelegt. Ziel ist es, die tausenden Objekte und Archivdokumente aus und zu Babylon systematisch zu erfassen, für die zukünftige wissenschaftliche Erforschung aufzubereiten und sammlungstechnisch zu strukturieren. 

Im Rahmen eines von der DFG finanzierten, innovativen Forschungsprojektes unterziehen derzeit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Vorderasiatischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin sowie des Instituts für Altorientalistik der Freien Universität Berlin die Babylon-Sammlung des Vorderasiatischen Museums einer eingehenden Analyse. Als Kooperationspartner steht dem Projekt hierbei die Deutsche Orient-Gesellschaft Berlin zur Seite.

Rekonstruiertes Ziegelrelief eines Muschchuschu-Drachen vom Ischtar-Tor.

Die Objekte der Berliner Babylon-Sammlung wurden zwischen 1899 und 1917 im Rahmen archäologischer Grabungen unter der Leitung von Robert Koldewey geborgen und befinden sich aufgrund von Fundteilungsvereinbarungen seit 1927 in Berlin. Nach neuesten Erkenntnissen des Babylon-Projektes wurden auf der Grabung in Babylon insgesamt etwa 77.500 Objekte aus drei Jahrtausenden ans Licht gebracht, darunter mit Keilschrift beschriebene Tontafeln, Alltagskeramik und Schmuck. Davon befinden sich knapp 30.000 heute in Berlin im Vorderasiatischen Museum.
Darüber hinaus ist ein großer Teil der Grabungs- und Inventarisierungsdokumentation erhalten, darunter Tagebücher, Fotografien, Packlisten, Karten, Teilnachlässe der Ausgräber und Architekturpläne. Auch diese werden im Vorderasiatischen Museum sowie vor allem im Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin und im Archiv der Deutschen Orient-Gesellschaft aufbewahrt. Die Dokumentation umfasst etwa 8.000 Einzelarchivalien.

Nach derzeitigem Stand (Sommer 2018) werden mit Ablauf des Projektes etwa 15.000 der knapp 30.000 in Berlin befindlichen archäologischen Objekte sowie die zugehörige Grabungs- und Sammlungsdokumentation von dem Mitarbeiterteam gesichtet, in ihre Fundzusammenhänge gestellt und geordnet worden sein. Dabei wird auch die Objekthistorie der Artefakte nachverfolgt, von ihrer Herstellung bis zu ihrem heutigen Ausbewahrungsort im Vorderasiatischen Museum. Kleinere Fallstudien zu typischen Fundstrukturen sowie ein Austesten der Möglichkeiten der Präsentation von Forschung im musealen Kontext werden das Ganze abrunden. So soll einerseits die wissenschaftliche Voraussetzung für längerfristig angelegte und international vernetzte Forschungsvorhaben zur Kulturgeschichte des antiken Babylons geschaffen werden; andererseits wird anhand des Materials die sammlungsbezogene Grundlagenforschung in Museen analysiert und weiterentwickelt.

Das Babylon-Projekt steht unter der gemeinsamen Leitung von Eva Cancik-Kirschbaum (Professorin für Altorientalistik, Freie Universität Berlin), Markus Hilgert (Direktor des Vorderasiatischen Museums Berlin, bis. 30.04.2018) bzw. Lutz Martin (Stellvertretender Direktor des Vorderasiatischen Museums Berlin, seit 01.05.2018) und Joachim Marzahn (Honorarprofessor für Altorientalistik, Freie Universität Berlin; Stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Orient-Gesellschaft).

Das Babylon-Projekt wird gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

Tidbits: Bildersammlungen zu Babylon

Babylon war außerhalb von Ausgrabungen ein beliebtes Reiseziel und Gegenstand von  Kartierungen. So sind innerhalb des letzten Jahrhunderts wertvolle fotografische Dokumentationen in und um Babylon entstanden, die in Momentaufnahmen die Entwicklung des Ortes und seiner Umgebung zeigen. Einige Online-Repositorien sammeln solche Aufnahmen und gewähren uns so seltene Einblicke.


Babylon in der OAID Oxford Archaeology Image Database


Babylon im Air Survey Photographs-Bestand der UCL Institute of Archaeology: an archaeological reference collection of Royal Air Force aerial imagery from 1918–1939. (Die Foto-Alben sind bei Flickr hinterlegt)




Die deutschen Koldewey-Grabungen

Die großen deutschen Ausgrabungen im Nahen Osten kamen im Vergleich mit den britischen, französischen und amerikanischen Grabungen erst spät zustande. In einer Vorexpedition sollte 1897/98 in Mesopotamien erstmals ein geeigneter Ausgrabungsort für deutsche Ausgrabungen gefunden werden. 

Nach Empfehlung von Robert Koldewey als Mitglied dieser Expedition entschied sich die Generalverwaltung der Königlichen Museen zu Berlin zusammen mit der Deutschen Orient-Gesellschaft für die Ruinen von Babylon. Nachdem die türkische Erlaubnis vorlag – Babylon lag damals noch im Gebiet des Osmainschen Reiches – wurde der Bauforscher Robert Koldewey als Ausgrabungsleiter bestimmt. Am Ende sollten die Grabungen in Babylon unter seiner Leitung – abgesehen von zwei kürzeren Unterbrechungen – 18 Jahre andauern, von 1899 bis 1917.

R. Koldewey wurde in Babylon von verschiedenen Archäologen und Architekten unterstützt, die teils mehrere Jahre Mitglied des Grabungsteams blieben und von denen einige später eigene Grabungen leiten sollten, z.B. Walther Andrae in Assur oder Julius Jordan in Uruk. Im Schnitt waren jeweils zwei bis drei Assistenten zeitgleich vor Ort und unter ihrer Anleitung zwischen 200 und 250 einheimische Grabungsarbeiter beschäftigt. Mit Ausnahme von Feiertagen oder wenn das Wetter Arbeiten im Feld verhinderte, wurde die 18 Jahre hindurch ganzjährig an sechs Tagen in der Woche in Babylon gearbeitet. Dadurch konnten alle Ruinenhügel im Gebiet von Babylon sondiert, teils sogar großflächiger untersucht werden.

Grabungen im Bereich des Ischtar-Tores, 1902Ausgrabungen am Ischtar-Tor um 1900, in der Mitte die Schienen der Feldbahn  (© SMB-VAM, Foto-Archiv VAM).


Die Grabungen fokussierten sich abwechselnd auf interessante Einzelstrukturen (Palästen, Mauern, Toren oder Tempeln) und auf stadtplanerische Fragen (Gesamtfläche, Straßennetzen, Quartieren). Am Ende lag ein umfassendes Bild der neubabylonischen Schichten Babylons und ein Bild der Stadt aus der Mitte des 1. Jt.s v. Chr. vor. An einigen Stellen konnten aber auch Einblicke in jüngere Bauschichten bis zur Seleukidenzeit bzw. ältere bis zurück in die altbabylonische Zeit im 2. Jahrtausend v. Chr. gewonnen werden.
Aber auch die methodischen Erkenntnisse aus dieser Pioniergrabung waren wegweisend für die Vorderasiatische Archäologie und Bauforschung. Noch heute gelten die Grabungen in Babylon bezüglich Strategie, Organisation, Methodik, Dokumentation und Verständnis der Baumaterie als vorbildlich und Grundstein für die späteren deutschen Grabungen im Nahen Osten.

Das Expeditionshaus der deutschen Grabung in Babylon lag im Dorf Kweiresch, nordwestlich der Ruinenstätte am östlichen Euphrat-Ufer. Hier wohnte, lebte, arbeitete, forschte man und hier wurden auch die meisten der Funde gelagert. Hier verfasste man die Berichte für Berlin und auch die ersten monographischen Grabungspublikationen wurden von hier aus auf den Weg gebracht. In 19015 fand eine noch eine kleinere Fundteilung zwischen Berlin und Istanbul statt. Nach dem kriegsbedingten Ende der Grabungen in 1917 mussten sämtliche Grabungsfunde im Haus zurückgelassen werden, bis sie 1926 abtransportiert werden konnten und – nach der Neugründung des Staates Irak – nunmehr zwischen den Sammlungen in Bagdad und Berlin aufgeteilt wurden. Die für Berlin bestimmten Funde kamen 1927 am Vorderasiatischen Museum an und sind Grundlage der dortigen Babylon-Sammlung.

Quelle: Olof Pedersén, Archive und Bibliotheken in Babylon, 2005, 2–7)